SOKOS















auf Grund ihrer Stärke eine Chance ausrechneten.
So geht die Mähr vom alten General von Galgotzy (begraben am Wr. Zentralfriedhof) dass er als Kommandeur in Bosnien mit einer kleinen Gruppe Soldaten über Land ritt, wo natürlich ebenfalls viele Räuberbanden die Gegend unsicher machten. Einer seiner Offiziere machte die Entdeckung, dass der als sehr kautzig geltende General sein ganzes Jahresgehalt eingesteckt hatte und zeigte offen seine Bestürzung. Darauf der General: "Wenn die Räuber schon einen österreichischen General erschlagen, dann sollen sie auch sehen, dass er nicht mittellos ist ...!" Die Wachthäuser des Militärs waren meist mit 16 bis 20 Mann starken Kavallerieabteilungen besetzt, welche das Reise- gebiet sicherten. Die Wachthäuser wurden "Kasern" genannt. Noch heute weisen viele ländliche Namen auf solche "Kasern", "Kasen" oder "Kasan" hin, auch Gasthäuser tragen oft diese Namen, so auch eines entlang der Bundesstraße auf der Strecke von Wien nach Mistelbach, fernab von jeder menschlichen Ansiedlung.
Von den Räubern wurden vor allem transportierte Lebensmittel geraubt, aber auch der Erlös aus deren Verkauf oder Reisegeld, Schmuck und Kleidung von Reisenden. Man darf nicht ver- gessen, dass ein ordentlicher Stiefel oder fester Rock damals einen unerschwinglichen Reichtum darstellte. Nicht selten waren die Reisenden froh, mit dem nackten Leben davon gekommen zu
sein ...
Wie schon gesagt, noch heute kennen wir die Raubersgeschichten der alten Zeiten. Wir sind zwar nicht mehr ganz sicher, ob die eine oder andere Räubergestalt bloß erfunden ist oder ob sie tatsächlich gelebt hat. Als Beispiel für die wahren Geschichten aus dieser Zeit vor nicht einmal 200 Jahren sei der noch immer rund um Horn berühmte Räuberhauptmann Grasl aus dem Waldviertel, angeführt.
Johann Georg Grasl wurde 1790 in Neusorowitz (liegt heute in Tschechien) geboren. Mit Gleichgesinnten schloss er sich nach seiner Militärzeit zusammen, um Fuhrwerke und Reisende zu berauben. Sein "Einsatzgebiet" war um Horn, Hollabrunn, Mistelbach bis Gänserndorf im nördlichen Waldviertel. Da er armen, notleiden-

den Leuten immer wieder etwas von seiner Beute abgab, kam er auch ein bisschen in den Ruf eines "Robin Hood". In vielen Chroniken der dortigen Gemeinden kann man von Militär- einsätzen lesen, welche das Ziel hatten, die Räuberbande um Grasl zu fassen.
Tatsächlich konnte ihn das Militär Ende des Jahres 1815 mit vielen seiner Bandenmitgliedern nach einem Verrat festnehmen und nach Wien (zum Landesfürsten) bringen.
Am 13. 1.1818 wurde er auf dem damaligen Galgenplatz "Zur Spinnerin am Kreuz" mit seinen Gesellen hingerichtet. Für Nichtwiener: Das ist die Anhöhe, welche man erreicht, wenn man von der Südautobahn über die Triester Straße (rechts Coca Cola, links Phillipshaus) in die Stadt fährt. Zur Abschreckung wurden damals die Hinrichtungen öffentlich durchgeführt, eine riesige Menschen- menge harrte seiner Hängung. Dass solche Hinrichtungen eher Volksbelustigungen waren, kann man auch daran ersehen, dass jede Menge Würstel-, Getränke- und Belustigungsbuden errichtet wurde, die das leibliche Wohl der zig-tausend Zuseher befriedigten. Grasl wird nachgesagt, dass seine ob der vielen Zuseher (ganz gerührten) letzten Worte gewesen sein sollen: "...die vielen Leut'".
Kaiserin Maria Theresia führte im Habsburgerreich in ihrer Regierungszeit (1740 bis 1780) viele weitreichende Reformen durch. So führte sie bekanntlich die Schulpflicht ein. Im Bezug auf das Sicherheitswesen schaffte sie die "Peinliche Befragung" ab, das heißt, die Polizei musste auf Folter bei der Befragung eines, eines Verbrechens Verdächtigen, verzichten. Auch Maria Theresia beschränkte sich bei den Reformen des Polizeiwesens vorwiegend auf die großen Städte ihres Reiches. Ihr Sohn Josef II regierte allein zwar nur von 1780 bis 1790, bekam aber von Maria Theresia schon um 1770 die Zuständigkeit für Militär und Polizei übertragen. Er führte wirklich radikale Reformen durch, welche nach seiner Regierungszeit teilweise wieder zurückgenommen wurden. So schaffte er die Todesstrafe ab, ebenso die Leibeigenschaft der Bauern. Er war es auch, der das sogenannte Toleranzpatent schaffte, mit welchem die jüdische