SOKOS















Die Gendarmerie und die Entwicklung der Sicherheit auf dem Lande

Die staatlich organisierte Sicherheit - so wie wir sie heute kennen - beginnt auf dem Lande erst nach der Märzrevolution von 1848 mit der Aufstellung des Gendarmeriekorps (1849). Bis dahin war es mit der ländlichen Sicherheit nicht sehr gut bestellt. Die meisten Straßen waren Karrenwege, nur die wichtigsten Handels- und Reiserouten kannten feste Straßen, in welchen die Fuhrwerke bei Regen nicht bis auf die Achsen im Schlamm versanken. Zwischen den großen Ansiedlungen waren riesige Waldstrecken und die bösen (und manchmal auch edlen) Räuber, die in vielen unserer Märchen und Sagen vorkamen - ja, die lebten wirklich und wahrhaftig in diesen Waldstücken.
Für die Sicherheit auf dem Lande waren die Grundherren, meist die Kirche oder Adelige, zuständig. Die Bauern innerhalb einer Grund- herrschaft unterstanden der Befehlsgewalt des Grundherren, welche auch für die Gerichtsbarkeit auf unterster Ebene und somit auch für die Sicherheit zuständig waren. Die Grundherr- schaften waren unterschiedlich groß, manche hatten eigene Verwaltungsstellen mit vielen Angestellten, manche waren so klein, dass der Grundherr alles selber machen musste. Jede Grundherrschaft aber hatte ein eigenes Gefängnis eingerichtet. Nur die ganz großen Grundherren leisteten sich eine eigene, ihrem Befehl unterstehende Polizeiwache, die für die Sicherheit der Grundherrschaft zuständig war.
Polizeiverordnungen, welche versuchten, die großen Städte sicherer zu machen, konnten daher auf dem Lande nicht greifen. Der Kaiser und der Landesfürst kamen kaum auf's Land, der Magistrat und die Meister und Gesellen, welche dem Stadtrichter bei der Ergreifung von Straftätern gemäß der Polizeiverordnung helfen mussten, fehlten, auch sie waren am bäuerlichen Land nicht zu finden. Der Kaiser versuchte zwar ein staatliches Monopol für die innere Sicherheit des Staates aufzubauen, die Landesfürsten, die Magistrate in den Städten und die Grundherren auf dem Land beanspruchten aber diese Rechte

immer wieder für sich, sodass sich lange Zeit aus "Machbarkeitsgründen" der Aufbau einer staat- lichen Sicherheit für die Bürger auf die Städte beschränkte.
Das alles führte dazu, dass sich im Mittelalter und später bis etwa 1740 die Staatsmacht kaum bis überhaupt nicht um die Sicherheit auf dem Lande kümmerte, es sei denn, es handelte sich um ein Schwerverbrechen. So war für den Bürger ein gewaltiger Unterschied im Bezug auf Sicherheit in den Städten und der Sicherheit auf dem Lande gegeben. Dass man auf Reisen den Räubern in die Hände fiel, war damals tatsächlich "üblich"!
Nur für die schwereren Verbrechen waren die dem Landesherren unterstehenden Landesgerichte zu- ständig. Eine eigene Polizei, wie wir sie heute verstehen, stand dem Landesherrn jedoch zur Verbrechensaufklärung nicht zur Verfügung. Es waren Gerichtsdiener, welche Erhebungen, Hausdurchsuchungen und Festnahmen machten. Neben der Gerichtsbarkeit des Grundherren und des Landesherren gab es ab dem 16. Jahrhundert in den Erbländern des Habsburgerreiches verschiedene Sicherheitsorgane für das Land, welche ebenfalls dem Landesherrn unterstanden. So gab es ab 1579 für die steirischen Lande einen Landprofos, dessen Hauptaufgabe es war, "Bettler und umherziehendes Gesindel" aufzugreifen. Diese Personengruppen galten zu allen Zeiten als besonders für die Sicherheit der Bevölkerung gefährlich. Zur Erfüllung dieser Aufgabe war ihm ein sieben Mann starker, mit Gewehren und Säbel bewaffneter Reitertrupp beigegeben. Zum gleichen Zweck gab es in Österreich und in der Steiermark (meist) zweimal im Jahr groß angelegte Landes- streifungen, an welchen auch das Personal der Gerichte, der Grundherren und das Wachpersonal der Städte teilnehmen musste.
Bei größeren Bedrohungen der Sicherheit auf dem Lande wurde auch die Armee zu Hilfe gerufen. Noch um 1700 wurden nur die gefährlichsten Reiseabschnitte durch Militär gegen Räuberbanden notdürftig gesichert. Allein wegen der Anwesenheit des Militärs zogen sich Räuber auf nicht so gesicherte Wegstrecken zwischen den Grundherr- schaften zurück, sie scheuten aber durchaus auch den Kampf mit dem Militär nicht, wenn sie sich