SOKOS















den Reichspolizeiordnung: "Römischer Kayserli- cher Majestät Ordnung und Reformation guter Polizey im Heiligen Römischen Reich". (Siehe auch: Die geschichtliche Entwicklung der Polizei in Wien) Der Begriff "Obrigkeit" spielte in diesen Reichspolizeigesetzen eine wichtige Rolle, ohne dass die Bedeutung dieses Begriffes präzise bestimmt wurde. Meist war damit die an Ort und Stelle maßgebende Instanz gemeint, also der Landesfürst oder die reichsunmittelbaren Herren, Ritter und Städte. Es war aber ein ständiges Ringen um die Polizeigewalt zwischen den Landesfürsten, den städtischen Magistraten, seinen Bürgern und dem deutsch-römischen Kaiser, welcher verständlicherweise ein reichsweites Polizeigesetz anstrebte.
Doch immer wieder setzten sich doch landesfürstliche Machtansprüche durch, wie auch in Graz an den zwischen kaiserlicher Regierung, Landesfürst und Magistrat wechselnden Kom- mandos für die Gardisten und Wachsoldaten zeigen. Hatte anfangs das Reichspolizeigesetz den Landesherren nur die Möglichkeit eingeräumt, das Reichsrecht zu mildern, also kleinere Strafen als vom Reichsgesetz vorgesehen, zu verhängen, setzten die Landesfürsten bereits 1577 wieder den Wegfall des Verschärfungsverbotes durch, womit sie wieder die Möglichkeit der Schaffung eigenen Polizeirechtes hatten.
Sicher deshalb erließ am 18. Februar 1588 Erzherzog Carl von Innerösterreich (Steiermark) ein Patent als erneuerte "Ordnung guter Polizey". Es ist dies die älteste erhaltene urkundliche "steirische" Polizeiordnung. Er bemängelt darin ausdrücklich, dass die Anordnungen seines Vaters Kaiser Ferdinand (Polizey-Verordnung aus 1527, siehe auch Geschichte der Wiener Polizei) nicht sonderlich befolgt worden sind.
Die Verordnung stellt eine Art Kodex guter Sitten dar und verlangt von den Untertanen Sparsamkeit und Bescheidenheit - eine Regel für die Bürger, die den Behörden offenbar immer wichtig war. Die Strafandrohungen waren damals nicht viel anders als heute, auch damals waren Ermahnung, Geldstrafen und Haftstrafen vorgesehen. Eine Art Provision (Anteil am Strafgeld) war für "bestellte" Anzeiger vorgesehen, wenn übermäßiger Trunk

oder das Würfel- und Kartenspiel um Geld zur Anzeige kam.
Wie auch in Wien waren Grazer Meister angehalten, mit ihren Gesellen die Obrigkeit bei der Ergreifung "polizeiwidriger" Individuen zu unterstützen. Etwa um 1580 wurde vom Magistrat zu Graz eine unter dem Befehl eines Wachtmeisters stehende 18 Mann starke "Stadt- wache" eingesetzt. Diese bewachte die Grazer Stadttore und stellte die Wache auf der Bürgerbastei des Schlossberges und die in der Stadt. In den nächsten Jahrzehnten stieg die Stadtwache bzw. Stadtguardia, wie sie auch genannt wurde, auf über 100 Mann. Bedenkt man, dass Graz nach der Pest von 1680 nur mehr eine Einwohnerzahl von rund 15.000 aufwies, kam ein Stadtgardist auf 150 Einwohner.
Um 1598 gab es bereits einen Stadthauptmann, dem die "Kriegsknechte", welche die alte Stadtguardia (aufgelöst erst 1611) in ihrer Aufgaben ersetzten, unterstellt waren. Sie waren in den Räumen des Eisernen Tores untergebracht. Die zwei unterschiedlichen Einheiten schafften Probleme ähnlich wie in Wien. Einerseits war es das liebe Geld für die Bezahlung der Guardia und der Kriegsknechte, sowie (auch religiös motivierte) Reibereien zwischen den Bürgern und Grund- besitzern (Landständen, überwiegend protestan- tisch) einerseits und die ständigen Einmisch- ungsversuche der Regierung (katholisch) in die Angelegenheiten der Stadt (Magistrat). So beispielsweise 1591 der Befehl an den Grazer Bürgermeister, die Stadtwache von Protestanten zu säubern.
Die damaligen Religions-, Stände- und Staatenkonflikte, der Gegensatz zwischen Protes- tantischer Union und katholischer Liga (seit 1608) war die Ursache, der Aufstand der böhmischen Stände gegen die Habsburger der Anlass zum Dreißigjährigen Krieg von 1618 - 1648. Am Vorabend des Ausbruches des Dreißigjährigen Krieges besetzte ein kaiserliches "Freifähndl" (Soldaten) die Stadt Graz, dessen Kommandant auch die Funktion des Stadthauptmannes von Graz erhielt.
Die österreichischen Lande waren nur von 1618 bis 1620, 1645 bis 1646 und 1647 direkt vom