SOKOS















Die Geschichte der
Polizei in der Landeshauptstadt Graz


Jetzt ist es auch schon wieder über 820 Jahre her, dass sich am 17. August 1186 der Herzog von Steir, Otokar IV und der Babenberger Herzog von Österreich, Leopold, mit großem Gefolge vor der kleinen Kirche auf dem Georgenberg in Enns trafen. Der Ort wurde ausgewählt, weil exakt hier die Grenze zwischen Österreich und Steier(mark) verlaufen ist. An diesen auch für das spätere Österreich bedeutungsvollen Tag wurde die Urkunde veröffentlicht, die nach der damaligen Sprache noch heute als "Georgenberger Hand- feste" bekannt ist. Grob beschrieben legte die Urkunde fest, dass nach dem Tode eines der beiden Herzöge die beiden Herzogtümer einen Verbund unter einem Herzog bilden werden. Zum damaligen Zeitpunkt war aber bereits klar, dass der kranke steirische Herzog kinderlos versterben werde, was auch am 9. Mai 1192 eintrat.
Dem österreichischen Adel wird der Vertrag wahrscheinlich eher "wurst" gewesen sein, der steirische Adel war aber nicht wirklich glücklich damit. Es gab wichtige Gründe für den steirischen Adel, dass in der "Handfeste" festgeschrieben war, dass die Steiermark im Falle des Zusammengehens der beiden Herzogtümer als eigenständiges Land bestehen bleibt und nicht dem Herzogtum Österreich unterstellt werden kann. Denn schon damals waren sie ob ihre Rechte "besser dran", als ihre österreichischen "Kollegen". Daher war in dieser Urkunde auch das Privileg der steirischen Ministerialen festgehalten, dass sie direkt an den (deutsch-römischen) Kaiser appellieren konnten, wenn ihre Rechte durch den österreichischen Herzog verletzt werden würden ...
Steiermark war somit das erste Bundesland, welches eine Vereinigung mit Österreich einging und damit das spätere Anwachsen zur großen Donaumonarchie einläutete. Später, besonders unter den Habsburgern kam es zum Verlust vieler steirischen Landesteile, welche heute in Nieder- österreich, Oberösterreich, Slowenien und Kroa- tien zu finden sind. Überall in diesen heute "nichtsteirischen" Landesteilen stößt man auf alten

Häusern oder Denkmälern auf den feuerspei- enden, steirischen Panther.
Kleiner Gedankensprung: Fährt man heute - egal aus welcher Richtung kommend - in Wien ein, machen den Besuchern wie den Wienern unüber- sehbare Tafeln klar: "Wien ist anders". Die Ausdenker dieser Wiener Werbetafeln haben nur eines übersehen - "anders sein" ist in Wahrheit ein altes, festgeschriebenes, steirisches Privileg!
Und dieses "anders sein" kann man auch an der historischen Entwicklung der Polizei der zweit- größten Stadt Österreichs - Graz - von Anfang an erkennen. Wir Österreicher von heute haben ja im Gegensatz zu früheren Zeiten (außer ein paar Überbleibsel in einigen Statutarstädten) keine Landes- oder Magistratpolizei, wie sie z.B. heute noch die deutschen Bundesländer kennen. In unserem Land ist die Polizei (wie auch die Finanz und die Justiz) nämlich "Bundessache" und nicht Landessache. Daher kennen die Landesverfas- sungen der österreichischen Bundesländer keinen für die Polizei zuständigen "Innenminister" wie Bayern, Sachsen oder andere deutsche Bundesländer. Unsere Bezeichnung "Landespoli- zeikommando" ist zwar kein Etikettenschwindel, aber zumindest ein bisschen irreführend, da sie ja bloß die dem Bund unterstehende Führungsebene bezeichnet.
Jetzt aber ist wirklich genug des "Drumherums" um die Geschichte der Grazer Polizei. Diese war zu ihrem Beginn eine echt landesfürstliche, wenn auch auf Grund von Reichsgesetzen legitimierte. Die Grundlage polizeilicher Verordnungen in den deutschen Landen bildete der "ewige Landfriede" aus dem Reichsabschied von Worms aus dem Jahre 1495. Mit diesem wurde für das gesamte Reichsgebiet des deutsch-römischen Kaisers das Reichskammergericht als das höchstrichterliche Organ geschaffen, welches auch die oberste Exekutivgewalt übertragen bekam. In diesem "ewigen Landfrieden" wurde das Territorium des Reiches in Kreise neu gegliedert und auch die Voraussetzungen für eine Reichspolizeigesetz- gebung geschaffen. Eine weitere Grundlage für die polizeiliche Entwicklung wurde 1530 im Reichstag zu Augsburg geschaffen, in der ersten umfassen-