SOKOS















und führte strenge Strafen für die Hurerei ein. Das konnten hohe Geldstrafen sein oder eine öffentliche Auspeitschung. Auch das Abschneiden eines Ohres galt als Strafe für Dirnen. Maria Theresia aber ließ Liebesdienerinnen dann, wenn sie einen Freier bestohlen oder mit Syphillis angesteckt hatten, vor einer Kirche auspeitschen, den Schädel kahlscheren und den kahlen Kopf teeren. Ein Grund für die Strenge der Kaiserin war angeblich auch ihr Gemahl Franz von Lothringen, welcher es mit der ehelichen Treue nicht sehr genau genommen haben soll.
Für die Polizei und ihrer "Keuschheitskommission" war es früher sicher sehr aufregend, wenn Mitglieder des Kaiserhauses Freudenmädchen aufsuchten. So hatte Kaiser Josef II. mit der Prostitution zu tun - auf sehr persönliche Weise. Die Geschichte erzählt, er sei ein häufiger Fre- quentant der Liebesdienerinnen auf dem nahege- legenen Spittelberg (heute: Teil des siebenten Wiener Bezirkes) gewesen und soll sogar aus einem einschlägigen Lokal hochkantig hinausge- worfen worden sein. Und Kronprinz Rudolf, welcher vor gut 100 Jahren Selbstmord beging, hatte bekanntlich auch Kontakte zu Freuden- mädchen. Ob er sich bei einer solchen mit der Lustseuche (Syphillis) ansteckte, an welcher er unrettbar erkrankte, ist nicht beweisbar. Gerade wegen der riesigen Gefahr der Ansteckung mit einer tödlichen Krankheit ist es verständlich, dass die Polizei im Auftrag der Gesundheitsbehörden zu allen Zeiten den Liebesdienerinnen großes Augen- merk schenkte. Denn mangels geeigneter Medizin konnten nur durch Enthaltsamkeit (Keuschheit) und unbedingter ehelicher Treue diese gefährlichen Krankheiten, deren Weiterverbreitung durch sex- uellen Kontakt erfolgte, beherrscht und ihre seuchenhafte Ausbreitung gestoppt werden. Die Keuschheitskommission wurde aus keinem ander- en Grund eingerichtet und auch das kirchliche Moralgebot hatte die Vermeidung von familiären Leid und Unglück durch Geschlechtskrankheiten zur Grundlage.
Der Keuschheitskommission sagte man nach, dass sie bis in die Schlafzimmer das Sexualverhalten seiner Bürger ausspionierte. Eigentlich hatte das

bis vor wenigen Jahrzehnten seine Gültigkeit. Denn bis in die 70iger Jahre des vorigen Jahrhund- erts war Ehebruch ein sogenanntes Offizialdelikt. Das hieß, dass ein Ehebruch strafrechtlich verfolgt wurde, wenn er der Obrigkeit zu Ohren kam - genauso wie ein Diebstahl oder ein Raub. Aus diesem Offizialdelikt wurde Anfang der 70iger Jahre ein "Antragsdelikt", was bedeutete, dass ein Ehebruch erst verfolgt wurde, wenn von dem oder der Betrogenen ein Antrag auf Strafverfolgung bei den Justizbehörden gestellt wurde und dabei blieb es bis heute.
Mit der modernen Medizin und den Fortschritten in der Pharmazie aber haben viele der früher tödlichen Lustkrankheiten ihren Schrecken ver- loren, obwohl in den letzten Jahren wieder ein Ansteigen von Tripper und Syphillis zu verzei- chnen ist und mit Aids eine neue, permanente Gefahr dazugekommen ist. Was eigentlich ver- wundert, denn nie zuvor wurde soviel und so offen über "sicheren Sex", über Verhütungsmittel - welche nicht nur eine ungewollte Schwanger- schaft, sondern vor allem die Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit "verhüten" sollen, geredet, geschrieben und geworben. Aber es scheint schon zu stimmen - wo sexuelle Lust in Aussicht ist, da setzt das Denkvermögen im Hirn aus ...
Nicht zufällig sind schon im Altertum in vielen Kulturen Priesteramt und Liebesdienst miteinander verwoben gewesen. Beide Berufsgruppen bieten dem geplagten Menschen Erleichterung, beide vermitteln Körper, Geist und Seele ein Lust- erlebnis. Ebenso nicht zufällig haben und hatten das Gewerbe für Liebesdienste und die hohe Politik schon immer engste Beziehungen zuei- nander. Da hat sich nichts geändert, auch wenn dieser Umgang miteinander oft genug mit einem Skandal endete und Ministerrücktritte erzwungen wurden. Auch jeder "halbweg'se" Spionagefall hat Berührungspunkte mit Liebesdienerinnen, was kein Wunder ist, denn einerseits hat ja die große Spionage immer auch irgendwie mit hoher Politik zu tun und andererseits "redet" es sich leichter, wenn Körper und Geist nach getanem Sex so schön entspannt sind. In all diesen Fällen ist die Polizei in der Nähe: Entweder beobachtet sie