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Die Polizei als Wächter über Sitte und Moral (Freigegeben)

Gibt es die Sittenpolizei wirklich - heute noch? Ja, es gibt einen Polizeibereich, der sich mit der käuflichen Liebe und seinem Umfeld befasst und das ist auch gut so. Denn kaum ein Bereich unserer menschlichen Gesellschaft ist so scheinheilig und verlogen und zieht gleichzeitig zwielichtige Typen an, wie der "sittliche" und selten wird ein Phänomen unserer menschlichen Gesellschaft so oberflächlich und voll mit Vorurteilen gesehen, wie die Prostitution. Das Verhältnis vieler Menschen zur Prostitution verhält sich etwa so, wie das berühmte "Wasser predigen und Wein trinken". Offiziell wird über die Hurerei verächtlich geredet, heimlich aber deren Dienste in Anspruch genommen ... Schade, denn es könnte auch anders sein.
Denn begegnet man der Prostitution neutral und objektiv, dann ist sie einfach ein von vielen Kunden aus unterschiedlichen Gründen gern ange- nommenes Dienstleistungsgewerbe und tatsächlich (neben dem Priester) eines der ältesten Gewerbe der Welt. Das Angebot dieses Dienstleistungs- gewerbes ist, Lust, Freude, Geselligkeit und Entspannung gegen Bezahlung so zu bieten, dass der "Geschmack" des Kunden voll erfüllt wird. Ohne hinterfotzige Scheinheiligkeit betrachtet, ist an dieser "Dienstleistung" nichts Obszönes oder Schlechtes erkennbar. Und viele Fachleute wissen auch um das soziale und psychologischen Wirken der Liebesdienerinnen. Das Gewerbe dieser Damen und immer häufiger auch Herren mit der amtlichen Gewerbebezeichnung "Prostitution" würde nicht unbedingt eine (Sitten-) Polizei brau- chen. Den Freuden-Markt würde, so wie in jedem anderem Geschäft auch, der Markt mit Angebot und Nachfrage regeln. Die Polizei braucht man aber, so wie in anderen Lebensbereichen auch, um die schwarzen (bis hin zu den kriminellen) Schafe aus dem Angebotsbereich fernzuhalten. Und schwarze (kriminelle) Schafe gibt es in jeder Branche, egal ob es sich (immer wieder aktuell) um die Branche der Banker oder die Branche des

Baugewerbes oder irgend eine andere Branche handelt.
So wie der Bankkassier oder der Baupolier nichts für etwaige kriminelle Machenschaften seiner Bosse kann, so kann auch die gewerbliche Liebesdienerin nichts für Verbreitung von Geschl- echtskrankheiten, Menschenhandel, Kinderprosti- tution, Ausbeutung, Gewalt und Körperverletzung bis hin zum Tod von Opfern, welches skrupellose Kriminelle zu verantworten haben. Denn offenbar gilt auch in diesem Gewerbe: Je illegaler und je verbotener das Angebot, umso mehr Geld ist zu verdienen. Deshalb das Auge des Gesetzes und eine spezielle Polizei in diesem Bereich. Und es ist gut so, dass nicht nur die kriminellen Anbieter einer Strafe zugeführt werden, sondern dass zum Beispiel auch der "passive" Nutzer, der sich Kinderpornos kauft oder besitzt, genauso bestraft wird.
Die Geschichte der Sittenpolizei ist so wechselhaft wie die Geschichte der käuflichen Liebe selbst. In vielen Kulturen waren Liebesdienerinnen oftmals auch geschätzt und gesellschaftlich anerkannt. Die europäische und auch österreichische Geschichte der Prostitution hing sehr oft von der persönlichen Einstellung der gerade Herrschenden ab, egal, ob die Herrschenden der Kirche oder dem Staat zuzuzählen waren. Liebesdienerinnen reisten zu Tausenden zu den großen kirchlichen Konzilen genauso an, wie zu Reichstagen der herrschenden Fürsten und Könige. Zumindest in Wien mussten Prostituierte schon seit dem 13. Jhdt Steuern bezahlen. Aus den Steuereinnahmen wurden u.a. Nonnenkloster, wohltätige Stiftungen und Spitäler unterstützt. Aber auch die Wiener Stadtguardia (siehe auch geschichtliche Entwicklung der Polizei) , welche bekannt schlecht bezahlt war, "kassierte" offiziell bei den Hübschlerinnen ab.
Der Kaiserin Maria Theresia, welche für ihre sittliche Strenge bekannt und gefürchtet war, wird oft die Begründung der "Keuschheitskommission" nachgesagt. Doch da tut man ihr unrecht, denn es war bereits Kaiser Maximilian I., der 1560 eine geheime Keuschheitskommission einrichtete. Er untersagte die Prostitution, ließ Bordelle schließen