SOKOS















Haus Feuer ausgebrochen war, welches rasch von Haus zu Haus übersprang. Die Stadtverwaltungen behalfen sich mit Verordnungen, um schlimme Schäden zu verhindern. Als älteste Feuerlösch- ordnung Europas gilt die von Wien, welche im Jahre 1121 erlassen wurde. Diese Verordnung schrieb vor, dass alle Hausbesitzer im Sommer ein volles Wasserfass vor ihrer Türe aufstellen müssen.
In einer "Feuer Ordnung der Stadt Wien" vom 28. April 1534 übernimmt die Stadtverwaltung bereits die Verpflichtung, Löschgeräte für die Brandbe- kämpfung beizustellen, aber die Brandbekämpfung selbst stützte sich nach wie vor auf bürgerliche Selbsthilfe. Erst mit den eingangs erwähnten, von der Stadtverwaltung bezahlten vier Feuerknechten kann man die Idee einer Berufsfeuerwehr erahnen. In dieser Feuerordnung von 1534 wird auch festgelegt, dass ein dauerhafter Wachdienst in der Türmerstube im Dom von St. Stephan einzu- richten ist, der über Wien zu wachen und den Ausbruch von Feuer sofort zu melden hat.
Kaiser Josef II hat in seiner Regierungszeit viele Regeln zum Schutz für Menschen und Gesellschaft erlassen. So auch eine "Feuerlösch- ordnung" im Jahr 1788. Ganz genau wird aufge- listet, wie in Sachen Feuersbrunst vorzugehen ist.
1tens: Wie die Entstehung der Feuersbrünste gehindert;
2tens: Wie, wenn dennoch eine Feuersbrunst entsteht, dieselbe bey Zeiten entdeckt;
3tens: Auf das schleunigste gelöscht; und endlich
4tens: Die schädlichen Folgen, welche nach schon gelöschtem Feuer sich ereignen können, abgewen- det werden.
Mit technischen Verbesserungen zum Schutz der Brandbekämpfer befasste man sich schon sehr früh, denn ein erstes Atemschutzgerät gab es bereits 1817. Es nannte sich "Melzelsche Erstick- ungswehr" und bestand aus einer Rauchhaube, einer Luftpumpe und Schläuchen, welche dem Feuerwehrmann Frischluft zuführten. Um 1850 machen Hornsignale den Weg zur Feuerstelle

durch die Straßen von Wien für die Feuerwehr- männer frei und auch die ersten "Feuerwechsel" (heute: Hydranten) werden in Wien aufgestellt.
Natürlich bleibt es in der wachsenden Reichs- haupt- und Residenzstadt Wien nicht bei den vier "livrierten" Feuersknechten. Beispielweise ist die Feuerwehr im Jahre 1862 schon auf 216 Mann angewachsen und im 2. und im 9. Bezirk gibt es bereits Feuerwehr - Stützpunkte. Mit dem Fort- schreiten der technischen Entwicklung gibt es auch entsprechende technische Neuerungen bei der Feuerwehr. So wird 1878 die erste Dampfspritze in Betrieb genommen und die ab 1883 eingesetzte fahrbare Schiebeleiter, um große Höhen erreichen zu können, war eine technische Entwicklung aus Wien (Wiener Leiter).
Der Wiener Ringtheaterbrand am 8. Dezember 1881 führte zur Gründung einer Rettungs- gesellschaft (siehe: Die Geschichte der Wiener Rettung) in Wien, brachte aber auch neuerliche Veränderungen und Erweiterungen für die Feuer- wehr. So wurde beispielsweise die Mannschaft auf sieben Offiziere und 308 Mann ohne Kutscher vergrößert. Das erste Feuerwehrauto wurde 1903 in den Dienst gestellt, das letzte Pferdegespann wurde 1925 außer Dienst gestellt.
Ab dem Jahre 1919 versehen bereits insgesamt 1208 Mann Dienst, welche sich in einem 24-stündigen Wechseldienst ablösen. Das Jahr 1938 brachte auch für die Feuerwehr große Veränderungen mit sich. Aus der Wiener Berufsfeuerwehr wurde die Feuerschutzpolizei. Die zweite Republik sieht dann eine neuerlich modernisierte Wiener Berufsfeuerwehr: 1945 werden alle Fahrzeuge aus der Vorkriegszeit ersetzt, Löschzüge mit einem Tanklösch- und einem Pumpenfahrzeug werden eingesetzt.
Und mit 31. Dezember 1955 geht eine vielhundertjährige Einrichtung zu Ende: Die Türmerstube des Stephansdomes wird nicht mehr besetzt, den seit 1534 dort wachenden Türmer gibt es nun nicht mehr ...