SOKOS















Des Kaisers neue Kleider II
Die geschichtliche Entwicklung der Polizei
in der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien

"Die Polizei" und "die Gendarmerie" sind Institutionen, die einfach schon immer da waren - so wie die Milchfrau, der Greißler und der Fleischhacker um's Eck. Doch halt - schon lange gibt es keine Milchfrau mehr, die wenigen Greißler kann man meist nur mehr in kuriosen Fer- nsehberichten bestaunen und auch die Flei- schhauerei (um's Eck) hat schon lange zugesperrt - zumindest in der Stadt. Und jetzt haben "sie" uns auch noch die vertraute Polizeiuniform und damit - wieder einmal - ein Stück österreichischer Geschichte unnötig weggenommen. Es klingt nicht glaubhaft, dass eine Polizeireform in der Verwaltung nur dann als "komplett" und "gelungen" gilt, wenn auch die Kleider der Beamten ausgetauscht werden ... schad' drum! Grund genug, sich einmal ein bisschen mit der Geschichte der Polizei zu befassen. Wenn hier auch die historische Entwicklung der Wiener Polizei beschrieben wird, gilt sie weitgehend auch für die Polizei in den anderen großen Städten in Österreich. Vielleicht animiert Sie dieser Bericht, sich mehr mit der Entwicklung der beiden großen "Wachkörper" Polizei und Gendarmerie zu befassen und besuchen eines (oder alle) der jeweils im Anhang angeführten Museen zu diesem Thema ...

Besucht man so ein "exekutives" Museum, erfährt man, dass bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum der Begriff "Polizey" auftauchte, der "Gute Ordnung im Gemeinwesen" bedeutete. Kaiser Ferdinand I. erließ 1527 eine "New Polizey- und Ordnung der Handwerker und Dienstleute". In dieser wurde das Verhalten der Handwerker geregelt, aber auch angeordnet, dass Meister und Gesellen den Stadtrichter bei der Festnahme von Verbrechern zu unterstützen haben. Etwas Ähnliches kennt man heute noch in England: Dort machen Bäcker, Köche, Spengler und andere "Zivilisten" in ihrer Freizeit uniformiert polizeilichen Streifendienst, gemeinsam mit ihren hauptberuflichen Polizisten - Kollegen und ausgestattet mit den gleichen Rechten und Pflichten wie diese.
Aber zurück nach Österreich und zurück ins alte Wien. 1547 umfasste die "Wiener Tag- und Nachtwache" bereits 60 Landsknechte, in welcher man bereits den ersten Ansatz einer behördlich organisierten Sicherheitswache zum Schutze der Bürger, aber auch den militärischen "Touch" der Polizei ersehen kann. Aus der "Wiener Tag- und Nachtwache" entwickelte sich die "Stadtguardia", welche 1582 dem Landesfürsten unterstellt wurde. Sie galt als sehr schlecht bezahlt und bezog ihr Einkommen teilweise aus Anteilen der steuerpflichtigen Freudenmädchen.
(Siehe auch: Die Polizei als Wächter über Sitte

und Moral) Offenbar waren diese Stadtgardisten rohe und gewalttätige Männer, sodass sie meistens ihre Amtshandlungen nur unter Aufsicht von Vertretern der Wiener Bürgerschaft machen durften. Die Aufsichtspersonen wurde aus den Reihen der Wiener Bürger gewählt, jedenfalls eine interessante Variante, die polizeiliche Gewalt einzusetzen.
Sowohl zur Verstärkung, aber auch als Gegenpol zu den rohen Stadtgardisten wurde 1646 eine zweite Sicherheitswache, nämlich die Rumorwache geschaffen. Muss schon arg gewesen sein, damals im alten Wien, denn zwischen Stadtguardia und Rumorwache kam es ständig zu Reibereien und wahrhaftig tätlichen Auseinandersetzungen, so dass während der Regierungszeit von Maria Theresia 1741 die Stadtguardia ersatzlos aufgelöst wurde. Während Maria Theresia fälschlicherweise immer wieder die Begründung der Keuschheits- kommission unterstellt wird (siehe auch: Die Polizei als Wächter über Sitte und Moral), fällt u.a. in ihre Regierungszeit die Gründung einer eigenen "Hofkommission in Polizey-, Sicherheits- und Armenverpflegsachen" im Jahre 1749. In deren Folge wurden 1751 die landesfürstlichen "Viertel- kommissäre" geschaffen, also je ein Kommissär für ein Stadtviertel. Hinzu kamen Gassen- kommissäre, Unterkommissäre und Hausnach- seher. In dieser Organisation ist also bereits ein sehr geordnetes, engmaschiges Polizeikonzept erkennbar. Die kaiserlichen Polizeireform plante sogar bereits als Überbau eine Polizeidirektion, was aber nicht gelang - offenbar war der Wider- stand der städtischen Bürgerschaft zu groß.
Im Jahre 1776 kam es jedoch "endlich" zu einer militärisch organisierten Polizeiwache. Für die vier Wiener Stadtbezirke und acht Vorstadtbezirke wurde als Vertreter der Regierung je ein Bezirks- aufseher bestellt. Diesen waren die polizeilichen Organe ihres Bezirkes unterstellt. Unschwer kann man in dieser Organisation bereits den späteren, uns bekannten Stadthauptmann in Stadtbezirken und den Bezirkshauptmann in ländlichen Bezirken erkennen. Diesen Bezirksaufsehern wurden auch Geheimagenten in Zivilkleidern, nach französisch-