SOKOS















tiven recht. Denn die städtische Polizei und die Gendarmerie auf dem Lande hatten und haben zwar die gleichen Aufgaben als exekutiver "Hilfskörper" der jeweiligen Behörde (Polizei- direktion und Bezirkshauptmannschaft), sie hatten historisch gesehen auch immer wieder Berührungspunkte, aber doch unterschiedliche Wurzeln. Die Gendarmerie (gend = Mann, d'armed = bewaffnet) kommt direkt aus der alten Kaiserlichen Armee, wo sie als Ordnungsmacht zuständig war und immer mehr auch für die Aufrechterhaltung der "Öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit" in der Zivilgesellschaft eingesetzt wurde. Ihre Uniform blieb das militärische Feldgrau, ihr Korpszeichen wurde die flammende Bombe auf Kappe und Kragenspiegel.
Die Bewohner der privilegierten Städte jedoch galten schon als freie Bürger, als Landbewohner oft noch Leibeigene waren. Die freien Stadtbürger errichteten feste Mauern um ihre Städte und schlossen vor Einbruch der Dunkelheit ihre Stadttore, welche sie auch bewachten, denn ängstlich bemühten sie sich, keine "Unfreien" in ihre privilegierte Stadt eindringen zu lassen. Aus dieser Zeit hat sich bis heute in Wien die Bezeichnung "Gscherter" für Landbewohner gehalten. Um nämlich die unfreien Land- bewohner, welche in der Stadt bäuerliche Lebensmittel anboten, sofort als solche zu erkennen, wurden diesen die Köpfe kahl- geschoren. Und wenn sich ein Landbewohner nach Schließung der Stadttore noch in der Stadt aufhielt, wurde er mit den Rufen: "Ein Gscherter, ein Gscherter!" regelrecht gehetzt. Die Polizei- wachen in den Städten waren nur zeitweilig militärische Wachkörper, fast immer aber wirkte das freie Bürgertum in Aufsicht oder Verwaltung des Polizeiapparates mit (siehe auch: Die Geschichte der Polizei in Wien, gewählte Bürger als Aufsichtspersonen für Stadtguardia). Das Korpsabzeichen der uniformierten Polizei war nach dem Bürgerkrieg 1848 und Auflösung der Militärpolizei in den Städten ein ovales Abzeichen, welches in der unteren Hälfte eine Mauer erkennen ließ - das Zeichen für die privilegierte Stadt und das freie Bürgertum. Auf dieser Mauer aber ein Adlerkopf, als Zeichen der wachsamen Obrigkeit, welche das Tun und Treiben des freien Bürgertums hinter den Stadtmauern beobachtet.
Die 2005 durchgezogene Polizeireform hatte durchaus Sinn. Aber nur dort, wo es um Straffung und Vereinheitlichung der Kommandostrukturen ging. Die Zweigleisigkeiten in der Verwaltung und den Kommanden musste tatsächlich reformiert und abgeschafft werden. Diese Reform macht die Exekutive (hoffentlich) effizienter. Aber dort, wo es die Berührungspunkte zwischen dem Bürger und der Exekutive gab (bzw. gibt), auf dem örtlichen Gendarmerieposten, dem Polizeiwach- zimmer in der nächsten Gasse oder der Funkwagenbesatzung während einer Verkehrs- anhaltung - dort bedurfte es keiner Veränderung.

Auch Touristen haben früher Gendarmerie- und Polizeiautos gut erkannt. In den heutigen Dienstautos der Polizei vermutet man eher einen Werbeträger der blau-roten Red Bull - Dose. Und kein Mensch kann erklären, warum eine "Amtshandlung" heute auch nur einen Deut anders sein soll, weil die bekannten Gendarmerie- und Polizeiuniformen durch eine gewöhnungs- bedürftige, einheitlich blaue, ersetzt wurde. Ausgehend von diesem Gedanken erinnert die neue Uniform doch sehr an die Geschichte mit des Kaisers neue Kleider. Sie sollen Modernität, Fortschritt und Sicherheit zeigen und offenbar vergessen machen, dass mit den alten Kleidern viel von österreichischer Tradition und Historie verschwunden ist. Klar, gewöhnen werden wir uns an die neuen Kleider des (Ex)Kaisers Strasser, aber notwendig? Das waren sie sicher nicht!