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Zentrale der Wiener Rettung (MA 70) ist noch heute an dieser Adresse in Wien 3, Radetzkystrasse 1 etabliert. Nach dem Vorbild der Wiener Rettungsgesellschaft wurden u.a. solche in Prag, Krakau, Triest, Lemberg und Budapest errichtet, also alle großen "österreichischen" Städte in der k.k. Monarchie. Die Wiener Rettung unterstützte weiters ähnliche Einrichtungen in Czernowitz (damals ebenfalls österreichisch), Johannesburg, Kiew, Odessa, Petersburg und Warschau, sowie solche in Linz, Klagenfurt und Salzburg. Der Lehrplan zur Sanitäterausbildung umfasste damals acht Vorträge mit je zwei Stunden über Anatomie, Psychologie, richtiges Verhalten bei plötzlichen Erkrankungen, Vergiftungen, Blutungen, Knochenbrüchen, Quetschungen, Zerrungen und Verrenkungen, den Transport Verunglückter, Krankenpflege und Hygiene.
Das erste Rettungsauto wurde 1905 in Dienst

gestellt und am Mariahilfer Gürtel Nr 20 wurde im Graf-Wilczek-Stiftungshaus eine Rettungsfiliale errichtet. Die Wiener wissen, dass die Wiener Rettung in diesem Haus am Mariahilfer Gürtel noch heute einen Stützpunkt hat! Auch außerhalb von Wien war die Wiener Rettung schon damals bei großen Katastrophen im Einsatz, so bei Erdbeben 1895 in Laibach (Lubljana), 1897 bei der Überschwemmung in Prag oder 1908 beim Erdbeben auf Sizilien. Im ersten Weltkrieg rüstete die Wiener Rettungsgesellschaft einen Sanitätszug mit 138 Betten aus. Graf Wilczek übernahm 77-jährig das Kommando über den Spitalszug. Er transportierte Verwundete von der Front nach Wien. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde 1938 vorerst die Rettungsgesellschaft von der Wiener Feuerwehr übernommen, später aber in den Rettungsdienst der Stadt Wien (heute MA 70) eingegliedert.
Nach Kriegsende wurde rasch mit dem Wiederauf-
Wiederaufbau der Wiener Rettung begonnen, das "Internationale Komitee vom Roten Kreuz" stellte dem neuen "Wiener Städtischen Rettungs- und Krankenbeförderungsdienst" fünf Sanitätsautos zur Verfügung, weitere Rettungsautos kamen von den Alliierten. In der Folge aber kam es zu einem peinlichen Kampf zwischen der Rettungs- gesellschaft der Stadt Wien und einer Teil- organisation des Roten Kreuzes (Hietzinger Freiwillige Rettungs-Gesellschaft) , obwohl sie alle ihre Wurzeln in der von Graf Wilczek gegründeten "Wiener Freiwilligen Rettungs-Gesellschaft" hatten. Es gab Plakate wie: "Das Rote Kreuz rettet Dich schneller", oft kamen die Rettungswagen beider Organisationen zu einem Unglücksort und stritten sich um die Verletzten. Dieser wilde und rücksichtslose Streit um Verletzte war Jahre später die Grundlage für einen bösen Film in den Österreichischen Kinos. Schließlich aber wurde der peinliche Konkurrenzkampf klug gelöst: Seit 1977 gibt es die "Wiener Rettungsgemeinschaft", die Organisation der Einsätze für die Wiener Rettung, dem Roten Kreuz, dem Arbeiter- Samariterbund und der Johanniter-Unfallhilfe erfolgt durch eine moderne gemeinsame Rettungszentrale nach den Kriterien des NEF -
Systems (Notarzteinsatzfahrzeugsystem, seit 1996). Dieses System hilft, den Notarzt unabhängig vom Rettungswagen im Bedarfsfall zum Kranken zu bringen, um notwendige ärztliche Erstmaßnahmen und Entscheidungen treffen zu können. Die Rettungsstationen sind heute so über Wien verteilt, dass Einsatzfahrzeuge jeden Einsatzort innerhalb von 12 Minuten erreichen können. Neben Notarzt- und Notarzteinsatzwagen kommen normale Rettungswagen, aber auch Intensivbettentransporter und ein Neugeborenen - Intensivtransporter zum Einsatz. Zusätzlich stehen für Katastrophen Sonderfahrzeuge zur Verfügung. Und dass in bestimmten Fällen Hubschrauber zum Einsatz kommen, gilt ebenfalls als völlig normal.
Rund 125 Jahre sind seit dem tragischen Ringtheaterbrand vergangen, welcher der Auslöser für die Begründung eines straff organisierten Rettungswesen für Wien war, eine wahrlich kurze Zeit für eine derart wichtige Institution, die der Rettung von Verletzten und Kranken dient. Wenn heute (als gegensätzliches Extrem zu früheren Zeiten) manche Institution den Wert eines Menschen in Ziffern und Euro berechnet und ausdrückt - für die Rettung ist der Mensch einfach menschlich "rettenswert", so dass selbst der heute